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Wie formuliere ich Förderziele in Mathematik?

Beantwortet von Lukas Lutz, schulischer Heilpädagoge in St. Gallen · Aktualisiert am

Kurz gesagt

Ein gutes Förderziel in Mathematik beschreibt, was das Kind beobachtbar tut, mit welchem Material, wie sicher und bis wann. Beispiel: «Lina nennt bis zu den Herbstferien alle Zerlegungen der Zahlen bis 10 am Zehnerfeld, ohne abzuzählen, 8 von 10 richtig.» Vage Ziele wie «Zahlverständnis verbessern» lassen sich nicht überprüfen. Jedes Ziel lässt sich einer Kompetenz im Lehrplan 21 zuordnen.

«Verbessert sein Zahlverständnis» steht in vielen Förderplänen. Beim nächsten Standortgespräch weiss dann niemand, ob das Ziel erreicht ist. Ein brauchbares Förderziel kann man nach Ablauf der Frist mit Ja oder Nein beantworten.

Die fünf Bausteine eines Förderziels

BausteinFrage dahinterBeispiel
WerUm welches Kind geht es?Lina
WasWelche beobachtbare Handlung?nennt alle Zerlegungen der Zahlen bis 10
WieMit welchem Material, in welcher Darstellung?am Zehnerfeld, ohne abzuzählen
Wie gutAb wann gilt das Ziel als erreicht?8 von 10 richtig
Bis wannIn welchem Zeitraum?bis zu den Herbstferien

Verben wie «versteht», «kann besser» oder «festigt» beschreiben einen Zustand im Kopf des Kindes. Beobachten kannst du nur Handlungen: Das Kind nennt, legt, zeigt, erklärt, schreibt. Formuliere deshalb immer mit einem Handlungsverb.

Die Probe

Könnte eine Person, die das Kind nicht kennt, nach dem Lesen des Ziels prüfen, ob es erreicht ist? Dann ist es gut formuliert.

Beispiele nach Lehrplan 21

BereichFörderziel (Beispiel)Lehrplan 21
Mengen erfassenMia erkennt Würfelbilder und Punktemengen bis 6 auf einen Blick, ohne abzuzählen, in 9 von 10 Fällen (bis Ende Oktober).MA.1.A.1
ZählenNoah zählt von einer beliebigen Zahl bis 100 vorwärts und rückwärts, auch in Zehnerschritten, ohne Fehler beim Zehnerwechsel (bis Weihnachten).MA.1.A.2
Zahlen zerlegenLeon nennt alle Zerlegungen der Zahlen bis 10 am Zehnerfeld und danach im Kopf, 8 von 10 richtig (bis zu den Herbstferien).MA.1.A.4
ZehnerübergangAyla löst Plusaufgaben mit Zehnerübergang bis 20 über den Zwischenschritt zur 10 (8 + 5 = 8 + 2 + 3) und erklärt den Weg in eigenen Worten (bis Ende Semester).MA.1.A.3
StellenwertElif bündelt Mengen bis 100 in Zehner und Einer und schreibt die Zahl richtig, auch bei 61 und 16 (bis Ende Januar).MA.1.A.1
EinmaleinsJonas ruft die Kernaufgaben (1×, 2×, 5×, 10×) innert 3 Sekunden ab und leitet daraus die Aufgaben der 4er-Reihe ab (bis Ostern).MA.1.A.3
SachrechnenSara stellt eine Sachaufgabe mit Plättchen oder einer Skizze dar, bevor sie rechnet, bei 4 von 5 Aufgaben (bis Ende Semester).MA.3.C.2

Die Kompetenzen hinter den Codes findest du ausführlich erklärt in der Übersicht der Lehrplan-21-Lernziele Mathematik, zum Beispiel MA.1.A.3 Plus, Minus, Mal, Geteilt.

Typische Fehler beim Formulieren

StattBesser
«Verbessert das Zahlverständnis.»«Ordnet Zahlen bis 100 am Zahlenstrahl richtig ein, 9 von 10 Zahlen.»
«Kann das Einmaleins.»«Ruft die Aufgaben der 2er-, 5er- und 10er-Reihe innert 3 Sekunden ab.»
«Rechnet nicht mehr mit den Fingern.»«Rechnet Plus bis 10 über Zerlegen und nennt dabei den Rechenweg.»
«Arbeitet konzentrierter.»«Löst 10 Minuten lang selbstständig Aufgaben am Platz.»

Negativ formulierte Ziele («nicht mehr …») sagen, was verschwinden soll, aber nicht, was an seine Stelle tritt. Beschreibe, was das Kind stattdessen tut.

Wie viele Ziele, und wie überprüfst du sie?

  • In Mathematik reichen zwei bis drei Ziele pro Förderperiode. Mehr lässt sich im Alltag nicht verfolgen.
  • Das Ziel liegt beim nächsten Schritt, den das Kind knapp noch nicht schafft, nicht beim aktuellen Stoff der Klasse.
  • Eine kurze Probe pro Woche genügt: 10 Aufgaben, immer in derselben Form. Notiere das Ergebnis und die Strategie (abgerufen, abgeleitet oder gezählt).
  • Übt das Kind mit einer App, zeigt dir der Lernverlauf, ob die Kompetenz über Wochen stabil bleibt. In Lernland exportierst du ihn als PDF für den Förderplan.

Förderziele im Standortgespräch vereinbaren

In vielen Kantonen werden Förderziele im Schulischen Standortgespräch mit Eltern, Klassenlehrperson und SHP vereinbart. Bring zwei bis drei Vorschläge mit und begründe sie mit einer Beobachtung, einem Arbeitsbeispiel und, falls vorhanden, dem Lernverlauf. So bleibt das Gespräch sachlich, und alle wissen am Ende, woran das Kind arbeitet.

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