Wie baue ich eine Förderlektion in Mathematik auf?
Beantwortet von Lukas Lutz, schulischer Heilpädagoge in St. Gallen · Aktualisiert am
Kurz gesagt
Eine wirksame Förderlektion in Mathematik folgt einem festen Ablauf: ein kurzes Ritual zum Ankommen, Erarbeiten am Material zum aktuellen Förderziel, der Schritt vom Material zur Vorstellung, eine kurze Übung und ein Abschluss, in dem das Kind seinen Rechenweg erklärt. In 45 Minuten reicht ein einziges Ziel. Zwischen den Lektionen braucht das Kind täglich 5 bis 10 Minuten Übung, sonst verblasst das Erarbeitete.
Förderlektionen sind knapp. Oft sind es zwei pro Woche, und dazwischen liegen Tage, in denen das Erarbeitete wieder verblasst. Ein klarer Ablauf und tägliches Üben zwischen den Lektionen machen den Unterschied.
Ablauf einer Förderlektion (45 Minuten)
| Phase | Dauer | Was passiert |
|---|---|---|
| Ankommen | 5 Min. | Ritual: Würfelbilder auf einen Blick, Zahl des Tages, Zählen in Schritten |
| Erarbeiten | 15 Min. | Am Material zum Förderziel, zum Beispiel 8 + 5 mit Plättchen am Zwanzigerfeld über die 10 |
| Vom Material zur Vorstellung | 10 Min. | Handlung beschreiben, dann mit Sichtschutz, dann im Kopf |
| Üben | 10 Min. | Kurze Übung im passenden Niveau: auf Papier, als Spiel oder in der App |
| Abschluss | 5 Min. | Das Kind erklärt einen Rechenweg und hält fest, was heute gelungen ist |
Die Phase vom Material zur Vorstellung wird am häufigsten ausgelassen. Genau dort entsteht aber das Rechnen im Kopf. Bleibt ein Kind beim Legen stehen, übt es Abzählen mit Plättchen statt Rechnen. Der Aufbau folgt dem EIS-Prinzip nach Bruner: handeln, bildlich darstellen, symbolisch rechnen.
Worauf es in der Förderlektion ankommt
- Nimm dir ein Ziel pro Lektion vor. Wer in 45 Minuten Zerlegen, Zehnerübergang und Uhrzeit anfasst, festigt nichts davon.
- Setz beim Fundament an, nicht beim aktuellen Stoff der Klasse. Ohne sichere Zerlegungen bis 10 bleibt der Zehnerübergang ein Rätsel.
- Lass das Kind sprechen. Wer beschreibt, was er oder sie tut, macht aus einer Handlung eine Vorstellung.
- Beende jede Lektion mit etwas, das gelungen ist.
- Notiere nach jeder Lektion zwei Sätze: Was ging, wo hing es? Daraus entsteht später dein Förderbericht.
Die Tage zwischen den Förderlektionen nutzen
Was in der Förderlektion erarbeitet wurde, muss automatisiert werden. Sonst beginnt die nächste Lektion wieder bei null. Dafür braucht es tägliche Übung von 5 bis 10 Minuten, in der Klasse oder zu Hause.
Eine adaptive App kann diese Übungszeit übernehmen, wenn sie am selben Punkt ansetzt. Lernland erkennt das Niveau selbst, das Förderkind übt mit derselben App wie die Klasse, und im Cockpit siehst du, ob zwischen den Lektionen geübt wurde und wo es hängt.
Einzeln oder in der Kleingruppe?
Kleingruppen von zwei bis vier Kindern mit ähnlichem Förderbedarf funktionieren oft besser als Einzelförderung. Die Kinder erklären sich gegenseitig ihre Wege und erleben, dass andere auch Mühe haben. Einzelförderung lohnt sich bei ausgeprägter Rechenschwäche oder wenn ein Kind in der Gruppe blockiert.


