Wie spreche ich mit Eltern über die Rechenschwierigkeiten ihres Kindes?
Beantwortet von Lukas Lutz, schulischer Heilpädagoge in St. Gallen · Aktualisiert am
Kurz gesagt
Ein gutes Elterngespräch über Rechenschwierigkeiten beginnt mit einer Stärke des Kindes, beschreibt dann konkrete Beobachtungen statt Urteile, zeigt ein Arbeitsbeispiel und endet mit zwei bis drei klaren nächsten Schritten für Schule und Zuhause. Vermeide Diagnosen wie «Dyskalkulie» ohne Abklärung. Eltern wollen vor allem wissen, was jetzt hilft und was sie selbst beitragen können.
Eltern merken meist am Küchentisch, dass etwas nicht stimmt, und kommen besorgt ins Gespräch. Wer sachlich beschreibt und klare nächste Schritte anbietet, nimmt Druck raus und gewinnt die Eltern als Verbündete.
Aufbau des Gesprächs in fünf Schritten
- Mit einer Stärke beginnen: Was kann das Kind gut, woran hat es Freude? Das zeigt den Eltern, dass du ihr Kind als Ganzes siehst.
- Beobachtungen statt Urteile: «Lina löst Aufgaben bis 20 meistens richtig, zählt aber jede Aufgabe mit den Fingern ab» statt «Lina ist schwach in Mathe».
- Ein Arbeitsbeispiel zeigen: Eine Heftseite oder ein Lernverlauf macht das Gesagte greifbar.
- Einordnen: Was ist in diesem Alter üblich, was fällt auf? Ohne Diagnose, die nur eine Fachstelle stellen kann.
- Nächste Schritte vereinbaren: Was macht die Schule, was können die Eltern tun, wann trefft ihr euch wieder?
Formulierungen, die helfen
| Statt | Besser |
|---|---|
| «Ihr Kind ist schwach in Mathe.» | «Beim Zehnerübergang braucht Ihr Kind noch die Finger. Daran arbeiten wir jetzt gezielt.» |
| «Es müsste mehr üben.» | «Zehn Minuten täglich helfen mehr als eine Stunde am Wochenende.» |
| «Vielleicht ist es Dyskalkulie.» | «Wir beobachten die nächsten Wochen genau. Wenn es nicht vorwärtsgeht, empfehle ich eine Abklärung.» |
| «Das sollte es eigentlich können.» | «Das ist der nächste Schritt, den wir aufbauen.» |
Was Eltern zu Hause tun können
- Täglich kurz üben statt lange am Wochenende. Den 10-Minuten-Plan für zu Hause kannst du direkt mitgeben.
- Keine eigenen Rechenwege erklären, sondern fragen: «Wie hast du das gerechnet?» Andere Verfahren als in der Schule verwirren.
- Mathematik im Alltag: mit Franken einkaufen, die Uhr lesen, Würfelspiele.
- Den Druck rausnehmen. Angst blockiert das Rechnen stärker als jede Lücke.
Mit Daten wird das Gespräch sachlicher
Ein Lernverlauf über mehrere Wochen zeigt den Eltern, dass du nicht aus einem schlechten Tag urteilst. Übt deine Klasse mit Lernland, exportierst du den Stand des Kindes als PDF und nimmst ihn ins Gespräch mit: was geübt wurde, was sitzt und wo es noch hängt.
Sprich eine Abklärung an, wenn gezielte Förderung über längere Zeit wenig bewirkt. Erkläre den Eltern, dass eine Abklärung beim Schulpsychologischen Dienst Klarheit schafft und die Grundlage für einen Nachteilsausgleich sein kann.


