Wie differenziere ich im Matheunterricht, ohne dreifach vorzubereiten?
Beantwortet von Lukas Lutz, schulischer Heilpädagoge in St. Gallen · Aktualisiert am
Kurz gesagt
Differenzieren ohne Mehraufwand gelingt mit Aufgaben, die von sich aus mehrere Niveaus zulassen, statt mit drei verschiedenen Arbeitsblättern. Bewährt sind offene Aufgaben mit gemeinsamem Einstieg, Blütenaufgaben mit steigender Schwierigkeit, ein frei wählbarer Zahlenraum und selbstständige Übungszeit mit einer adaptiven App. So arbeiten alle am selben Thema, und du gewinnst Zeit für eine Kleingruppe.
Drei Niveaus, drei Arbeitsblätter, drei Lösungsblätter: So sieht Differenzierung auf dem Papier oft aus. Im Alltag hält das niemand lange durch. Leichter geht es mit Aufgaben, die sich selbst differenzieren.
Fünf Aufgabenformen, die sich selbst differenzieren
1. Offene Aufgaben mit gemeinsamem Einstieg
«Finde möglichst viele Plusaufgaben mit dem Ergebnis 20.» Ein Kind schreibt 10 + 10, ein anderes entdeckt ein System und ordnet alle Aufgaben. Alle arbeiten am selben Thema, jedes auf seinem Niveau. Die Didaktik nennt das natürliche Differenzierung.
2. Blütenaufgaben
Eine Aufgabe mit vier Teilen von leicht bis anspruchsvoll: eine Grundaufgabe, eine Variation, eine Umkehrung und zum Schluss eine offene Frage. Alle starten gemeinsam, starke Kinder kommen weiter. Du bereitest eine Aufgabe vor, nicht drei.
3. Zahlenraum frei wählen
Dieselbe Übung, das Kind wählt den Zahlenraum: bis 20, bis 100 oder bis 1000. Die Aufgabe bleibt gleich, die Schwierigkeit passt sich an.
4. Aufgaben füreinander erfinden
Die Kinder erfinden Aufgaben für ein anderes Kind und lösen danach die des Partners. Wer eine Aufgabe erfindet, muss sie verstanden haben. Die Schwierigkeit bestimmen die Kinder selbst.
5. Selbstständiges Üben mit einer adaptiven App
Beim Automatisieren von Einmaleins, Zehnerübergang oder Zahlzerlegung hilft eine App, die jedem Kind automatisch die passende nächste Aufgabe stellt. Lernland passt jede einzelne Aufgabe an und geht bei Lücken selbstständig einen Schritt zurück. Die Klasse übt, und du arbeitest in dieser Zeit mit einer Kleingruppe.
So verteilst du deine Zeit in der Lektion
- 5 Minuten gemeinsamer Einstieg, alle mit derselben Aufgabe.
- 25 Minuten Arbeitsphase: offene Aufgabe oder App für die Klasse, du sitzt mit drei bis vier Kindern am Material.
- 10 Minuten Austausch: Zwei Kinder zeigen unterschiedliche Lösungswege.
Was nicht funktioniert
- Starke Kinder mit mehr vom Gleichen beschäftigen. Zwanzig weitere Aufgaben derselben Sorte sind Beschäftigung, keine Förderung. Ideen für die Förderung nach oben stehen im Beitrag Hochbegabte Kinder in Mathe fördern.
- Schwächeren Kindern nur kleinere Zahlen geben. Fehlt die Strategie, helfen kleinere Zahlen nur kurz. Diese Kinder brauchen Arbeit am Fundament.
- Niveaugruppen, die sich nie ändern. Kinder merken schnell, in welcher Gruppe sie sitzen. Gruppen, die je nach Thema wechseln, schützen vor Etiketten.


