Sommerferien-Mathe: So bleibt das Schuljahr nicht verloren
Kurz gesagt
Mit etwa 10 Minuten Mathe pro Tag, meist nicht am Schreibtisch, bleibt in den Sommerferien das meiste Gelernte erhalten. Ohne Übung geht in Mathe über den Sommer spürbar etwas verloren, Fachleute sprechen vom «Summer Slide». Die ersten drei Ferientage bleiben frei, danach eignen sich Spiele, Einkaufen oder Backen mit Mathe-Auftrag. Gegen Ende der Ferien frischst du auf, was im neuen Schuljahr vorausgesetzt wird, etwa das Einmaleins.
Die Bildungsforschung kennt den «Summer Slide»: Über die Sommerferien geht in Mathe mehr verloren als beim Lesen (Cooper et al., 1996). Daten aus den USA zeigen einen Rückgang von etwa 10 bis 30 Prozent dessen, was Kinder im Schuljahr dazugelernt haben (NWEA, 2023), bei deutlich längeren Ferien als in der Schweiz. Kurze, regelmässige Übung hält das Gelernte wach, ohne dass die Ferien zur Schulzeit werden.
Warum Mathe in den Ferien besonders verlernt wird
Mathe ist im Unterschied zur Lesefähigkeit stark prozedural. Das heisst: Wer eine Rechenstrategie nicht regelmässig anwendet, verliert sie schneller als gespeichertes Wissen. Die Überblicksstudie von Cooper und Kollegen (1996) fand: Bei den Rechenfertigkeiten verlieren Kinder über die langen US-Sommerferien im Schnitt rund 2,6 Monate Lernstand, beim Lesen deutlich weniger.
Besonders betroffen sind Aufgaben mit Zehnerübergang, das Einmaleins und mehrstellige Verfahren. Wer die in den Ferien nicht anwendet, beginnt das neue Schuljahr mit messbarem Defizit.
Der 6-Wochen-Plan: 10 Minuten pro Tag
Hier ein realistischer Plan für sechs Wochen Sommerferien. Jeden Tag etwa 10 Minuten, meistens nicht am Schreibtisch.
Woche 1: Sanfter Einstieg
- Tag 1–3: Pause. Wirklich Pause. Mathe ist Schule, die Ferien sind Erholung.
- Tag 4–7: 10 Minuten Mathe-Spiele am Esstisch (UNO, Würfel, Mensch ärgere dich nicht).
Woche 2: Alltagsmathematik
- Einkaufen mit Mathe-Auftrag: «Welches Päckchen ist günstiger?»
- Backen: Mengen abmessen, halbieren, verdoppeln.
- Reise-Mathe: Tempo, Strecke, Ankunftszeit schätzen.
Woche 3: Spielerische App-Sessions
- 10 Minuten pro Tag mit einer adaptiven App wie Lernland.
- Frei wählbar: vor dem Schwimmen, im Zug, am Strand.
- Wichtig: ohne Hausaufgaben-Stempel. «Mathe-Game», nicht «Mathe-Üben».
Woche 4: Halbzeit – Pause
- Reine Ferien-Woche. Mathe bleibt am Wegrand.
- Mathematik passiert nur, wenn das Kind selbst Lust hat (z. B. Spiele).
Woche 5: Auffrischung beginnt
- 10–15 Minuten täglich mit der App oder mit Aufgabenheft.
- Fokus: Das, was im neuen Schuljahr Voraussetzung ist (Einmaleins, Zahlraum, etc.). Was in welcher Klasse drankommt, zeigen die Lernziele nach Lehrplan 21.
- Mit Lehrperson abgleichen: «Was kommt in den ersten Schulwochen?»
Woche 6: Klassentempo simulieren
- 20 Minuten am Stück konzentrierte Übung, um den Schulrhythmus vorzubereiten.
- Hausaufgaben-Format einbauen: am Schreibtisch, mit Heft, ruhig.
- Aber nicht jeden Tag. Ferien bleiben Ferien.
Was du in den Ferien vermeiden solltest
- Aufgabenhefte aus der Schule durcharbeiten. Wirkt wie Strafe.
- Druck. Wenn das Kind «keine Lust» sagt, Pause machen. Ferien-Mathe muss leicht bleiben.
- Vergleiche mit anderen. «Dein Cousin hat schon das ganze Einmaleins geübt.» Vergiftet alles.
- Lehrer:in spielen. Du bist Elternteil. Eine App übernimmt die fachliche Methodik.
- Verlängerte Sessions. 10 Minuten täglich schlägt 2 Stunden einmal die Woche, immer.
Was bei Förderbedarf zusätzlich hilft
Kinder mit Rechenschwäche, ADHS oder anderem Förderbedarf brauchen in den Ferien oft besonders viel Regelmässigkeit. Hier lohnt sich:
Updates direkt in dein Postfach.
Tipps zu Mathematik, Heilpädagogik und neuen Lernland-Funktionen. Maximal eine Mail pro Monat.
- Regelmässigere App-Sessions (5–10 Minuten täglich, statt jeden 2. Tag).
- Auf Voraussetzungen fokussieren, nicht auf neuen Stoff.
- Mit Heilpädagog:in absprechen, was Priorität hat.
- Erfolgserlebnisse maximieren: Niveau eher zu tief als zu hoch.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der «Summer Slide»?
Der Verlust schulischer Kompetenzen über die Sommerferien. Eine Überblicksstudie (Cooper et al., 1996) zeigt: In Mathe geht mehr verloren als beim Lesen. US-Daten (NWEA, 2023) beziffern den Rückgang in Mathe auf etwa 10 bis 30 Prozent des Lernzuwachses eines Schuljahres, bei deutlich längeren Ferien als in der Schweiz.
Wie viel sollte mein Kind in den Ferien üben?
Etwa 10 Minuten täglich sind ein guter Richtwert: kurz genug für die Ferien und regelmässig genug, damit das Gelernte wach bleibt. Regelmässigkeit schlägt Intensität, das zeigt auch die Forschung zum verteilten Üben. Lieber täglich kurz als wöchentlich lang.
Welche Mathe-App eignet sich für die Ferien?
Eine adaptive App ohne Zeitdruck, die kurze Sessions ermöglicht. Lernland funktioniert offline (für Ferien im Ausland), passt sich automatisch dem Niveau an und braucht keine Anmeldung neuer Aufgaben.
Sollten wir die ersten Ferienwochen ganz pausieren?
Ja, das ist sogar empfehlenswert. Erholung ist Voraussetzung für späteres Lernen. Erst in Woche 2 oder 3 mit sanften Aktivitäten beginnen.
Wann ist der Summer Slide besonders kritisch?
Am Übergang von der 2. zur 3. Klasse (vor dem Einmaleins) und von der 4. zur 5. Klasse (Brüche/Dezimalzahlen kommen). Hier lohnen sich Ferien-Auffrischungen besonders.



