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«Mein Kind kann nicht rechnen.» Was ich Eltern in der ersten Stunde sage.

7 Min LesezeitEltern

Etwa zweimal pro Woche schreibt mir jemand: «Mein Kind kann nicht rechnen. Was soll ich tun?» Das hier ist die Antwort, die ich am liebsten gleich zurückschicken würde.

Liebe Mutter, lieber Vater. Wenn du das hier liest, hast du wahrscheinlich gerade einen ziemlich anstrengenden Nachmittag hinter dir. Mathe-Hausaufgaben, vielleicht Tränen, vielleicht Streit. Du hast versucht, ruhig zu bleiben, und es ist trotzdem schwierig geworden.

Ich kenne diese Nachmittage. Nicht nur, weil ich mit Kindern arbeite – auch durch dich, durch die hunderten Eltern, die mir geschrieben haben. Ich will dir vier Dinge sagen, in dieser Reihenfolge, weil die Reihenfolge wichtig ist.

1. Dein Kind ist nicht das Problem

Das ist nicht Wattebausch-Pädagogik. Das ist eine konkrete fachliche Beobachtung: Kinder lernen nicht «nicht rechnen». Sie lernen, was sie können. Wenn ein Kind in der 3. Klasse 6+7 nicht zuverlässig rechnen kann, fehlen Voraussetzungen aus der 1. Klasse. Das ist eine Lücke im Aufbau, kein Charakterfehler.

Heisst auch: «Mehr üben» ist meistens die falsche Antwort. Wer 6+7 nicht kann, weil die Zahlzerlegung von 7 nicht sitzt, wird durch hundert weitere 6+7-Aufgaben nicht plötzlich rechnen. Er wird müder und frustrierter. Du auch.

2. Bevor du eine App suchst, beantworte zwei Fragen

Ich höre oft: «Welche App kannst du empfehlen?» Bevor ich antworte, frage ich immer zurück:

  1. Wo genau ist die Lücke? Im Mengenverständnis? Im Zehnerübergang? Beim Einmaleins? Bei der Uhrzeit? «Mathe» ist zu gross. Eine App, die «Mathe» abdeckt, ist zu unspezifisch.
  2. Was ist die emotionale Lage? Hat dein Kind Angst vor Mathe? Vermeidet es das Thema? Wenn ja, geht jede Übung ins Leere, solange diese Schicht nicht gelöst ist.

Antwort auf Frage 1 bekommst du am besten von der Lehrperson oder einer Heilpädagog:in. Antwort auf Frage 2 bekommst du von deinem Kind – aber nur, wenn du fragst, statt zu prüfen.

3. Das wichtigste Werkzeug heisst nicht App, sondern Pause

Wenn dein Kind in einer Mathe-Krise ist, ist die erste Intervention nicht «mehr Material». Die erste Intervention ist: den Druck rausnehmen.

  • Hausaufgaben werden in 15 Minuten gemacht, danach ist Schluss – auch wenn nicht alles fertig ist. Du schreibst dann eine kurze Nachricht an die Lehrperson.
  • Keine Mathe-Quizfragen am Esstisch, im Auto, beim Einkaufen. Lass dein Kind in Ruhe.
  • Keine Vergleiche mit Geschwistern, Klassenkamerad:innen oder dir selbst als Kind.
  • Lob für Anstrengung, nicht für richtige Lösungen. «Du hast es trotzdem versucht» schlägt «Bravo, richtig» um Längen.

Kein Kind lernt im Zustand der Bedrohung. Wenn die Stimmung am Tisch eng wird, hat das Hirn keine Kapazität für Zahlen.

4. Erst danach: das richtige Werkzeug

Wenn die Stimmung sich entspannt hat, kannst du gezielt unterstützen. Hier sind die Werkzeuge in der Reihenfolge, in der ich sie selbst einsetze.

Werkzeug 1: Konkretes Material

Knöpfe, Plättchen, Wendekarten, 20er-Feld, 100er-Tafel. Klingt altmodisch, ist aber die Grundlage. Kinder mit Lücken im Mengenverständnis brauchen etwas zum Anfassen, bevor sie zum Vorstellen kommen.

Werkzeug 2: Eine adaptive App

Hier kommt Lernland ins Spiel. Ich sage bewusst nicht: «Lernland ersetzt alles.» Ich sage: Eine gute App entlastet dich von der Aufgabe, das richtige Niveau jeden Tag neu zu treffen. Lernland tut genau das. Es geht zurück, wo Lücken sind, und passt jede einzelne Aufgabe an dein Kind an.

Was Lernland nicht ersetzt: das Gespräch mit der Lehrperson, eine Abklärung bei Verdacht auf Dyskalkulie, und die Beziehung zu dir. Mehr zu den Anzeichen, die mir als Heilpädagoge auffallen, findest du in diesem Beitrag.

Werkzeug 3: Eine zweite Bezugsperson

Wenn die Lage zu Hause eingefahren ist, hilft oft, dass jemand anderes übt. Eine Nachhilfeperson, eine Heilpädagog:in, eine Tante. Manchmal liegt es nicht am Üben, sondern an der Konstellation Eltern–Kind. Das ist nichts Persönliches. Es ist ein Setting, das man entlasten darf.

Was ich nicht erlebe

Ich erlebe in meiner Praxis nicht, dass Kinder grundsätzlich «nicht rechnen können». Ich erlebe, dass Kinder zu spät die richtige Unterstützung bekommen, oder zu früh zu hohe Erwartungen, oder beides gleichzeitig. Das ist veränderbar.

Was passiert, wenn du diese vier Schritte gehst: Wahrscheinlich wird nicht in zwei Wochen alles gut. Wahrscheinlich brauchst du sechs bis zwölf Wochen, bis du eine Wende siehst. Aber die Wende kommt – und sie beginnt damit, dass das Kind aufhört, sich vor Mathe zu fürchten.

Wenn du jetzt einen ersten kleinen Schritt machen willst

Lad dir Lernland herunter, schau es dir selbst an, ohne dein Kind dabei. Spiel zwei, drei Aktivitäten durch. Du wirst sehen: Das ist keine Game-App mit Mathe drumherum. Das ist Heilpädagogik in App-Form. Wenn das zu dir passt, lass dein Kind ohne Erwartungen reinschnuppern. Wenn nicht, hast du wenigstens fünf Minuten investiert, statt sechzig.

Du machst das gut. Du suchst nach Antworten. Das ist mehr, als die meisten tun.

Lukas

Häufig gestellte Fragen

Ab welchem Alter sollte ich aktiv werden?

Wenn dein Kind in der 2. Klasse oder später deutliche Mühe hat: ja, jetzt. Wenn dein Kind in der 1. Klasse rumeiert: erst beobachten. Die meisten Kinder finden ihren Rhythmus in den ersten zwei Schuljahren, bei manchen dauert es etwas länger.

Wir üben jeden Abend eine Stunde, ohne Erfolg. Was machen wir falsch?

Wahrscheinlich übt ihr auf einem Niveau, das zu hoch ist. Mehr Übung auf falschem Niveau verbessert nichts, sondern verfestigt Frust. Geht eine Stufe zurück, auch wenn es sich seltsam anfühlt. Bis das sicher sitzt, dann den nächsten Schritt.

Mein Kind sagt selbst «Ich kann das nicht». Wie reagiere ich?

Nicht widersprechen, nicht beschönigen. Lieber: «Ich sehe, dass es dir gerade schwerfällt. Das heisst nicht, dass du es nie können wirst. Das heisst, dass dir gerade jemand zur Seite stehen muss.»

Sollten wir zur Nachhilfe?

Wenn du das Gefühl hast, dass die Stimmung zu Hause vergiftet ist, ja, oft hilft Nachhilfe – nicht primär wegen des Inhalts, sondern weil eine neutrale Person übernimmt. Wichtig ist, dass die Nachhilfe-Person heilpädagogisch denkt, nicht nur Lösungen zeigt.

Kann eine App allein helfen?

Nein. Eine App ist ein Werkzeug. Wenn die Beziehung stimmt und ein gutes Werkzeug dazukommt, ist das eine gute Kombi. Wenn die Beziehung im Stress ist, muss erst die Beziehung entlastet werden. Sonst übersteht keine App diesen Stress.

Verfügbar im App Store

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