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Minus mit Zehnerübergang: Die unterschätzte Schwester der Plus-Aufgabe

7 Min LesezeitGrundlagen

Die Subtraktion mit Zehnerübergang (z. B. 14 − 6) ist die heimliche Hürde der 2. Klasse. Sie ist didaktisch anspruchsvoller als die analoge Plus-Aufgabe, weil sie zwei verschiedene Strategien zulässt – und Kinder lernen müssen, welche zu wählen.

Warum Minus mit Zehnerübergang schwerer ist

Bei der Plus-Aufgabe 8 + 6 gibt es eine kanonische Strategie: erst zur 10 ergänzen (8 + 2 = 10), dann den Rest hinzu (10 + 4 = 14). Bei 14 − 6 ist es nicht so eindeutig. Es gibt zwei mathematisch gleichwertige Strategien, und Kinder müssen lernen, welche zu welcher Aufgabe passt.

Die zwei Strategien bei Minus mit Zehnerübergang

Strategie 1: Schrittweise abziehen (klassisch)

14 − 6 wird in zwei Schritten gerechnet: 14 − 4 = 10, dann 10 − 2 = 8. Die 6 wird so zerlegt, dass die 10 als Zwischenstation entsteht.

Strategie 2: Ergänzen (oft schneller)

14 − 6 = ? wird umgekehrt gerechnet: «Was muss ich zu 6 dazugeben, um auf 14 zu kommen?» 6 + 4 = 10, 10 + 4 = 14. Also fehlen 8.

Welche Strategie sinnvoller ist, hängt von der konkreten Aufgabe ab. Bei 14 − 6 sind beide ähnlich aufwändig. Bei 12 − 9 ist Ergänzen klar schneller (nur 3 dazu).

Die häufigsten Fehler

Was du beobachtestWas dahinter steckt
Kind rechnet 14 − 6 = 12Subtrahiert ohne Zehnerübergang (14 − 4)
Kind rechnet 14 − 6 = 4Schritt durcheinander, vermutlich 10 − 6
Kind zählt mit Fingern rückwärtsVoraussetzungen nicht automatisiert
Kind nimmt immer die gleiche StrategieStrategien nicht aufgaben-flexibel

Wie ich es als Heilpädagoge aufbaue

  1. Voraussetzungen sichern. Zahlzerlegung bis 10, Ergänzungen zur 10, Minus im Zahlraum 10 – alles muss sicher sein. Wenn nicht, hilft Minus mit ZÜ nicht.
  2. Materialgestützt arbeiten. 20er-Feld, Wendeplättchen. Das Kind nimmt erst die 4 weg (um auf 10 zu kommen), dann die 2.
  3. Erst eine Strategie üben, dann die zweite. Zwei Strategien gleichzeitig überfordern. Erst schrittweises Abziehen sicher, dann Ergänzen einführen.
  4. Strategiegespräche führen. Nicht «Das ist falsch» sagen, sondern «Wie hast du gerechnet?». Verbalisierung sichert die Strategie.
  5. Erst dann mischen. Wenn beide Strategien sitzen, lernen Kinder zu wählen: «Welche passt zur Aufgabe schneller?»

Wann es klemmt

Wenn dein Kind 14 − 6 nach Wochen Üben immer noch nicht zuverlässig löst, liegt das Problem fast immer eine Stufe darunter: Zahlzerlegung bis 10 wackelt, oder Minus im Z10 ist noch nicht automatisiert. Mehr dazu im Zehnerübergang-Beitrag und in Fingerzählen abgewöhnen.

Häufig gestellte Fragen

In welcher Klasse wird Minus mit Zehnerübergang gelernt?

Im Lehrplan 21 in der 2. Klasse, parallel oder kurz nach der entsprechenden Plus-Aufgabe. Sicher sitzen sollte sie bis Ende des 2. Schuljahres.

Welche Strategie soll mein Kind nutzen?

Beide sollte es kennen. Ergänzen ist meist schneller, wenn die zwei Zahlen nahe beieinander liegen (12 − 9), schrittweises Abziehen funktioniert universell. Flexibilität ist das Ziel.

Mein Kind verwechselt Plus und Minus mit Zehnerübergang. Was tun?

Mit Material trennen. Bei Plus etwas hinzulegen, bei Minus etwas wegnehmen. Erst handelnd unterscheiden, dann symbolisch. Sprache zuerst klären ("plus heisst dazu, minus heisst weg"), dann üben.

Hilft Auswendiglernen?

Nein. Wer 14 − 6 = 8 nur auswendig weiss, kann 13 − 5 nicht ableiten. Verständnis kommt zuerst, Automatisierung folgt durch Wiederholung.

Welche App eignet sich für Minus-Übung?

Eine App, die die Voraussetzungen prüft, beide Strategien anbietet und visuelle Stützen (20er-Feld) nutzt. Lernland erfüllt diese Bedingungen und arbeitet adaptiv.

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