Zahlbeziehungen und Muster erforschen
MA.1 · Zahl und VariableAspekt B: Erforschen und Argumentieren
Kinder lernen, Mathematik als Wissenschaft des Entdeckens zu erleben. Sie variieren Aufgaben systematisch, suchen nach Mustern und tauschen ihre Entdeckungen aus. Diese Kompetenz fördert das mathematische Denken über das blosse Rechnen hinaus.
Eigene didaktische Aufbereitung. Diese Seite ist keine Wiedergabe des Lehrplans 21. Die Inhalte sind eigene Formulierungen von Lukas Lutz (Schulischer Heilpädagoge, St. Gallen). Verbindlich ist der Originaltext der D-EDK auf zh.lehrplan.ch — der Code MA.1.B.1 dient als neutrale Referenz.
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Alle Kompetenzstufen im Überblick
| Code | Zyklus | Was Kinder lernen |
|---|---|---|
| MA.1.B.1.A | Zyklus 1 | Erste Muster mit Mengen |
| MA.1.B.1.B | Zyklus 1 | Additionen systematisch variieren |
| MA.1.B.1.C | Zyklus 1 | Zahlraum 100 variieren |
| MA.1.B.1.D | Zyklus 1 | Produkte variieren, eigene Lösungswege |
| MA.1.B.1.E | Zyklus 2 | Operationen variieren und vergleichen |
| MA.1.B.1.F | Zyklus 2 | Offene Aufgaben, Vermutungen |
| MA.1.B.1.G | Zyklus 2 | Umkehrzahlen und Vielfache |
| MA.1.B.1.H | Zyklus 2 | Heuristische Strategien anwenden |
Zyklus 1Zyklus 1 (Kindergarten, 1.–2. Klasse)
4 Stufen
Zyklus 1 (Kindergarten, 1.–2. Klasse)
MA.1.B.1.AErste Muster mit Mengen
Erste Muster mit Mengen
Kinder bilden, prägen sich ein und führen einfache Anordnungs-Muster weiter. Etwa «rot, gelb / rot, rot, gelb, gelb / rot, gelb».
- Ein Muster wiedererkennen
- Ein Muster fortsetzen
- Ein abgedecktes Muster aus dem Kopf weiterführen
- Eigene Muster mit Plättchen bilden
- Muster in der Umgebung entdecken
Manche Kinder sehen Muster nur als Bildreihe, ohne die Wiederholungs-Logik zu erfassen. Das laute Aussprechen («rot-gelb, rot-gelb …») macht das Muster hörbar.
- Mustertöne: Klatsch- und Stampf-Muster mit zwei Sounds.
- Perlenketten: Pro Farbe ein bestimmtes Muster auffädeln.
- Naturmuster: Im Wald gesammelte Steine in Mustern auslegen.
- Abdeck-Spiel: Muster legen, mittlere Position abdecken, Kind sagt was fehlt.
- Tanzmuster: Bewegungsmuster, andere müssen folgen (klatsch-klatsch-stampf).
MA.1.B.1.BAdditionen systematisch variieren
Additionen systematisch variieren
Kinder variieren Additionen bis 20 systematisch und beschreiben die Auswirkungen. Wenn ein Summand um 1 wächst, wächst auch die Summe um 1. Solche Zusammenhänge entdecken und in Worte fassen.
- Systematische Variationen einer Aufgabe bilden
- Auswirkungen beobachten und beschreiben
- Zahlenfolgen mit Mustern bilden
- Eigene Beobachtungen formulieren
- Eine «Was passiert wenn»-Frage stellen
Kinder rechnen oft jede Aufgabe neu, statt das Muster zu nutzen. Wenn 8 + 8 sitzt, ist 8 + 9 keine neue Aufgabe — das muss explizit thematisiert werden.
- Plus-1-Treppe: Aufgaben untereinander, was ändert sich?
- Beobachtungstagebuch: Kinder notieren mathematische Auffälligkeiten.
- Zahlenmauer-Variation: Basis-Zahlen ändern, was passiert mit der Spitze?
- Was-passiert-wenn-Forum: Plenum, Kinder formulieren Beobachtungen.
- Aufgaben-Memory: Karten mit verwandten Aufgaben paaren.
- Aufgaben-Sequenzen mit System (8+8, 8+9, 8+10)
- Muster-Erkennung als Aufgabentyp
MA.1.B.1.CZahlraum 100 variieren
Zahlraum 100 variieren
Kinder variieren Summen und Differenzen bis 100 systematisch und tauschen Beobachtungen mit Anschauungsmaterial aus. Sie untersuchen Aufgabenketten, bei denen ein Summand schrittweise wächst, und entdecken die regelmässige Zunahme der Ergebnisse.
- Im Zahlraum 100 Aufgaben systematisch variieren
- Beobachtungen mit Material darstellen
- Eigene Variationen erfinden
- Muster über mehrere Aufgaben hinweg sehen
- Mit anderen über Entdeckungen sprechen
Mathekonferenzen brauchen Übung. Kinder müssen lernen, ihre Beobachtungen nachvollziehbar zu formulieren — nicht «da ist ein Muster», sondern «wenn ich die erste Zahl um 10 vergrössere, wird auch das Ergebnis 10 grösser».
- Zahlenmauer-Werkstatt: Kinder bauen eigene Zahlenmauern mit Variationen.
- Forscher-Heft: Jedes Kind notiert in einer Woche fünf eigene Entdeckungen.
- Mathekonferenz: 10 Minuten pro Woche, ein Kind stellt seine Entdeckung vor.
- Aufgaben-Familie: 25+11, 35+11, 45+11 — was bleibt gleich, was ändert sich?
- Geheimnis-Aufgabe: Aufgabe mit Lücke, Kinder erfinden weiter passende.
- Zahlenmauer-Aufgaben
- Aufgaben-Sequenzen im 100er-Raum
MA.1.B.1.DProdukte variieren, eigene Lösungswege
Produkte variieren, eigene Lösungswege
Kinder variieren Produkte systematisch und sehen, wie sich die Ergebnisse ändern. Sie suchen eigene Lösungswege und tauschen sie aus.
- Produkte systematisch variieren
- Beobachtungen mit Anschauungsmaterial begründen
- Eigene Lösungswege beschreiben
- Verschiedene Wege zu einer Aufgabe vergleichen
- Begriffe wie «doppelt», «halb so viel» nutzen
Lösungswege-Vielfalt wird oft als «Unsicherheit» missverstanden. Kinder müssen erleben, dass viele Wege zum gleichen Ziel führen können — und dass das eine Stärke ist.
- Drei-Wege-Aufgabe: 7 · 8 auf drei Arten lösen, Wege vergleichen.
- Produkt-Mauer: Zahlenmauer mit Multiplikation als Operation.
- Mein-Lieblings-Weg: Kind erklärt, wie es eine schwere Aufgabe rechnet.
- Variations-Karten: 3·5, 6·5, 3·10 — was steckt dahinter?
- Tausch-Beobachtung: 4·6 und 6·4 — was bleibt gleich, was ändert sich?
- Variations-Übungen beim Einmaleins
- Strategie-Hinweise pro Aufgabe
Zyklus 2Zyklus 2 (3.–6. Klasse)
4 Stufen
Zyklus 2 (3.–6. Klasse)
MA.1.B.1.EOperationen variieren und vergleichen
Operationen variieren und vergleichen
Kinder variieren Operationen systematisch und tauschen Erkenntnisse aus. Sie bilden gleiche Ergebnisse auf unterschiedliche Arten und entdecken dadurch Verbindungen zwischen Plus, Minus, Mal und Geteilt.
- Gleiche Ergebnisse mit verschiedenen Operationen bilden
- Aufgaben systematisch variieren
- Mathematische Gespräche im Plenum führen
- Mehrere Lösungen für eine Zielzahl finden
- Eigene Variationen erfinden
Manche Kinder bleiben bei der ersten Lösung stehen. Es braucht explizit Zeit und Ermutigung, weitere Wege zu suchen.
- Zielzahl-Spiel: Würfeln, mit drei Zahlen die Zielzahl 30 bilden.
- Variations-Plakat: Pro Kind eine Wand mit eigenen Aufgabenfamilien.
- Rechen-Speed-Dating: Zwei Minuten je Partner, eigene Lösung erklären.
- Beobachtungs-Heft: Wöchentlich eine eigene Entdeckung dokumentieren.
- Lehrer-Trick: Lehrperson zeigt einen Trick, Kinder ergründen warum er funktioniert.
- Aufgaben mit mehreren Lösungen
- Strategie-Variationen sichtbar
MA.1.B.1.FOffene Aufgaben, Vermutungen
Offene Aufgaben, Vermutungen
Kinder lassen sich auf offene Aufgaben ein, erforschen Beziehungen, formulieren Vermutungen und suchen Lösungsalternativen.
- Eine offene Aufgabe selbständig angehen
- Eine Vermutung formulieren
- Mehrere Lösungswege suchen
- Annahmen begründen
- Forschungs-Mut entwickeln
Offene Aufgaben verunsichern manche Kinder, weil keine «richtige Antwort» feststeht. Es braucht eine Klassenkultur, in der ungewöhnliche Wege und Vermutungen willkommen sind.
- Knobelaufgabe der Woche: Jede Woche eine offene Aufgabe an der Wandtafel.
- Vermutungs-Heft: Kinder notieren ihre Vermutungen, prüfen sie später.
- Forscher-Box: Sammelbox mit ungelösten Knobelaufgaben.
- Mathe-Detektive: Eine ungewöhnliche Behauptung, Kinder finden Beweise oder Gegenbeispiele.
- Plenum-Vermutungen: Vor dem Rechnen Hypothesen sammeln.
MA.1.B.1.GUmkehrzahlen und Vielfache
Umkehrzahlen und Vielfache
Kinder erforschen Beziehungen zwischen natürlichen Zahlen und beschreiben Regelmässigkeiten in Worten. Sie entdecken, dass sich beim Vertauschen der Ziffern einer zweistelligen Zahl immer Vielfache von 9 als Differenz ergeben.
- Eigene Entdeckungen im Zahlsystem machen
- Vielfache erkennen und beschreiben
- Umkehrzahlen bilden und vergleichen
- Eine Regel über Beispiele formulieren
- Mit Variation hinter ein Muster kommen
Eine Regel aus Beispielen zu formulieren ist anspruchsvoll. Erst beschreiben («ist immer durch 9 teilbar»), dann begründen.
- Umkehrzahlen-Forschung: 10 Umkehrzahlen-Paare, Differenz berechnen.
- 9er-Detektive: Welche besondere Eigenschaft hat die 9?
- Vielfachen-Karte: Vielfache von 6 auf einer Tafel markieren.
- Zahlen-Magie: Tricks vorführen, Kinder ergründen sie mathematisch.
- Beobachtung-für-Beobachtung: Klassenplakat, das wachsende Sammlung von Entdeckungen.
MA.1.B.1.HHeuristische Strategien anwenden
Heuristische Strategien anwenden
Kinder verwenden heuristische Strategien: ausprobieren, Beispiele suchen, Analogien bilden, Regelmässigkeiten untersuchen, Annahmen treffen, Vermutungen formulieren.
- Eine Knobelaufgabe systematisch angehen
- Mit Beispielen eine Vermutung prüfen
- Annahmen formulieren und überprüfen
- Verschiedene Strategien kombinieren
- Eigene Heuristik entwickeln
Heuristiken werden nicht von selbst entdeckt. Sie müssen explizit benannt und immer wieder geübt werden — fast wie Vokabeln einer eigenen Sprache.
- Strategie-Tagebuch: Jedes Kind sammelt eigene Heuristiken in einem Heft.
- Plakat: Heuristik-Wand wächst über das Schuljahr.
- Tandem-Knobeln: Zwei Kinder lösen eine Aufgabe, eines erklärt seine Strategie.
- Aufgaben-Werkstatt: Kinder bauen eigene Knobelaufgaben.
- Mathe-Olympiade-Vorbereitung: Mit Knobelaufgaben aus früheren Wettbewerben.
MA.1.B.1 mit Lernland üben
Lernland deckt alle Stufen ab, passt jede Aufgabe an das aktuelle Niveau an und geht bei Lücken automatisch zurück.
- · Jede Aufgabe wird individuell angepasst
- · Erst weiter, wenn 9 von 10 Aufgaben sitzen
- · Visuell verständlich, auch ohne Deutsch
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Quelle und rechtlicher Hinweis
Inhalte auf dieser Seite zur Kompetenz MA.1.B.1 sind eine eigenständige didaktische Aufbereitung von Lukas Lutz (Schulischer Heilpädagoge, St. Gallen). Sie sind kein Originalwortlaut des Lehrplans 21. Der verbindliche Originaltext liegt bei der D-EDK und bei der Bildungsdirektion des jeweiligen Kantons.
© Lehrplan 21, D-EDK / Bildungsdirektion Kanton Zürich. Die Kompetenz-Codes wie MA.1.B.1 sind neutrale Identifikatoren und werden als Referenz verwendet.

