Glossar A–Z

Heilpädagogik & Mathe-Begriffe.

Die wichtigsten Begriffe aus Heilpädagogik, Mathematik-Didaktik und Lehrplan 21 — kompakt, präzise, in Schweizer Kontext.

2

20er-Feld

auch: Zehnerfeld

Strukturiertes Mengenfeld mit zwei Reihen von je fünf Feldern, insgesamt 20. Zentrales Anschauungsmittel im Mathe-Aufbau der ersten Klasse. Macht Zerlegungen, Zehnerübergang und Stellenwert sichtbar.

A

Adaptives Lernen

Lernverfahren, bei dem Aufgaben automatisch an den aktuellen Stand des Kindes angepasst werden. Echte Adaptivität wirkt auf Aufgaben-Ebene, nicht nur auf Themen-Ebene — jede einzelne Aufgabe wird passend gewählt.

Automatisierung

Stufe des Lernens, auf der ein Ergebnis innerhalb von 2–3 Sekunden ohne Nachdenken abgerufen werden kann. Im Mathe-Lernen besonders relevant beim Einmaleins und bei Zerlegungen der Zahlen bis 10.

D

DaZ

auch: Deutsch als Zweitsprache

Abkürzung für «Deutsch als Zweitsprache». Bezeichnet Kinder, deren Erstsprache nicht Deutsch ist. DaZ-Kinder profitieren von visuell aufgebauten Mathe-Materialien, die ohne sprachliche Voraussetzung lösbar sind.

Förderprofil DaZ-Mathe

Diagnostik (Mathematik)

Strukturierte Erfassung, wo ein Kind in der mathematischen Entwicklung steht. In der Heilpädagogik orientiert an Verfahren nach Kaufmann/Wessolowski (BIRTE 2) oder am Heidelberger Rechentest.

Differenzierung

Anpassung des Unterrichts an unterschiedliche Lernstände in einer Klasse. Innere Differenzierung passiert innerhalb derselben Aufgabe (z.B. verschiedene Schwierigkeitsstufen), äussere Differenzierung über getrennte Gruppen.

Dyskalkulie

auch: Rechenstörung

Spezifische, anhaltende Schwierigkeiten im Mathematik-Lernen, die nicht durch allgemeine kognitive Einschränkungen erklärbar sind. International nach ICD-10 als F81.2 klassifiziert. Synonym: Rechenstörung. Häufigkeit: rund 3–7 % der Schulkinder.

Förderprofil Dyskalkulie

E

EIS-Prinzip

Didaktisches Prinzip nach Jerome Bruner: Lerninhalte werden zuerst enaktiv (handelnd mit Material), dann ikonisch (mit Bildern), zuletzt symbolisch (mit Zahlen und Zeichen) erarbeitet. Grundlage der heilpädagogischen Mathematikdidaktik.

Ergänzen

Rechenoperation: «Wie viel fehlt von X bis Y?» Beispiel: 7 + ? = 10. Wichtige Vorbereitung für die Subtraktion und für den Zehnerübergang.

F

Fingerzählen

Lösen von Rechenaufgaben durch Abzählen mit den Fingern. In der ersten Klasse normal, sollte ab der zweiten Klasse durch strukturierte Mengenerfassung abgelöst werden. Verfestigtes Fingerzählen ist ein Warnsignal für Rechenschwäche.

Förderdiagnostik

Diagnostischer Ansatz, der nicht auf Defizit-Bestimmung zielt, sondern auf die Frage: «Welcher nächste Lernschritt passt?» Grundprinzip der heilpädagogischen Arbeit.

H

Hochbegabung (Mathematik)

Überdurchschnittliche Begabung im mathematischen Bereich, oft erkennbar an intuitiver Mustererkennung und schnellem Durchdringen neuer Konzepte. Brauchen passende Herausforderung, sonst droht Unterforderungs-Vermeidung.

Förderprofil Hochbegabung

I

Inklusion

Gemeinsamer Unterricht aller Kinder, unabhängig von Förderbedarf oder Behinderung. In der Schweiz seit dem 2008er-Sonderpädagogik-Konkordat schrittweise umgesetzt. Setzt starke Differenzierungs-Werkzeuge voraus.

K

Konkretmaterial

Physisches Anschauungsmaterial wie Steckwürfel, Wendeplättchen, 20er-Feld, Rechenrahmen. Erste Stufe im EIS-Prinzip und Grundlage für jedes konzeptuelle Verständnis in der Primarschul-Mathematik.

L

Lehrplan 21

Gemeinsamer Lehrplan der 21 deutschsprachigen und mehrsprachigen Kantone der Schweiz. Gliedert die Mathematik in drei Kompetenzbereiche: MA.1 Zahl und Variable, MA.2 Form und Raum, MA.3 Grössen, Funktionen, Daten und Zufall.

M

Mastery Learning

Lernverfahren, das verlangt, dass eine Kompetenz sicher beherrscht wird, bevor zur nächsten weitergegangen wird. Erfunden in den 1960ern von Benjamin Bloom. In Lernland: 9 von 10 richtigen Antworten = Mastery erreicht.

P

Pränumerische Vorläuferfähigkeiten

Mathematische Grundkompetenzen vor dem eigentlichen Zahlbegriff: Mengen vergleichen, Eins-zu-Eins-Zuordnung, Seriation (Reihenfolge), Klassifikation. Wer diese nicht sicher hat, scheitert später am Rechnen.

R

Rechenschwäche

Breiter Begriff für anhaltende Mathe-Lernschwierigkeiten, auch unterhalb der Dyskalkulie-Diagnoseschwelle. Förderprinzipien sind weitgehend identisch zu Dyskalkulie: pränumerischer Aufbau, Teil-Ganzes-Konzept, Verständnis vor Automatisierung.

Förderprofil Rechenschwäche

S

Schulischer Heilpädagoge (SHP)

In der Schweiz ausgebildete Fachperson für integrative und separative Förderung von Kindern mit besonderem Bildungsbedarf. Ausbildung an Hochschulen für Heilpädagogik (z.B. HfH Zürich), Master-Niveau.

Simultane Mengenerfassung

auch: Subitizing

Fähigkeit, eine Menge ohne Zählen «auf einen Blick» zu erfassen. Für Mengen bis 5 entwickelt sich diese Fähigkeit ab dem Vorschulalter. Strukturierte Bilder (5er- oder 10er-Feld) erweitern die quasi-simultane Erfassung bis 20.

Stellenwert

Eigenschaft unseres Zahlsystems, dass die Position einer Ziffer ihren Wert bestimmt. Die 2 in 25 sind zwei Zehner, die 2 in 52 sind zwei Einer. Verständnis ist Voraussetzung für jedes Rechnen jenseits des 20er-Raums.

Thema Stellenwert

Stigmatisierungsfreies Lernen

Gestaltungsprinzip: Fehler werden nicht öffentlich gemacht, keine Ranglisten, keine roten Häkchen, kein Vergleich mit anderen Kindern. Reduziert Mathe-Angst und schützt Selbstvertrauen — besonders wichtig bei Förderbedarf.

T

Teil-Ganzes-Konzept

Verständnis, dass Zahlen aus Teilen bestehen (5 = 2 + 3 = 4 + 1). Zentrales Konzept der heilpädagogischen Mathematikdidaktik nach Schipper. Ohne dieses Konzept bleibt Rechnen zählendes Hin- und Herrücken.

V

Vom zählenden zum denkenden Rechnen

Didaktisches Leitbild nach Michael Gaidoschik: Kinder sollen so früh wie möglich vom Abzählen zum strategischen Rechnen geführt werden. Verfestigtes Zählen verhindert mathematisches Denken.

Z

Zählendes Rechnen

Lösungsstrategie, bei der Rechenaufgaben durch Abzählen gelöst werden (z.B. 7 + 5 durch Weiterzählen: 8, 9, 10, 11, 12). In der ersten Klasse normal, ab der zweiten Klasse problematisch — Indikator für fehlendes Teil-Ganzes-Konzept.

Zehnerübergang

Plus- oder Minus-Aufgabe, die über eine Zehnerstelle hinweg rechnet (8 + 5 = 13). Erste echte Hürde im Mathe-Lernen. Wird heilpädagogisch in zwei Schritten aufgebaut: erst auf 10 ergänzen, dann den Rest dazu.

Thema Zehnerübergang
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